Gefahr durch die Hintertür - Die Garantieabrechnung

von Thomas Brede, unitcell GmbH, Dezember 2013

Im Wettbewerb mit den freien Werkstätten haben die Vertragswerkstätten in Punkto Kundenbindung vor allem den Vorteil der Garantie- und Kulanzarbeiten. Eine Strategie der Hersteller, diese Wettbewerbsvorteile für die eigenen Vertragswerkstätten zu stärken, besteht in der Verlängerung der Garantie- und Kulanzzeiträume. Betrugen diese früher im Schnitt zwei Jahre, so geht der Trend in Richtung drei Jahre oder mehr. Eigentlich doch einen clevere Idee - oder?

Der Haken der Sache liegt - wie könnte es anders sein - in der Rendite. Gegenüber einem üblichen Kundenauftrag kommen bei Garantiefällen zusätzliche administrative Tätigkeiten, Dokumentationen und Prüfpflichten hinzu, die in den Garantiesätzen häufig nicht (oder nicht ausreichend) enthalten sind. In Einzelfällen reichen die vorgegebenen Richtzeiten schon für die eigentliche Reparatur nicht aus und der Auftrag wird zum Deckungsbeitragsvernichter.

Die Verlängerung der Garantiezeiträume bedeutet für die Vertragswerkstatt also eine Ausweitung margenschwacher Kulanz- und Garantiegeschäfte und einen weiteren Verfall der Erträge. Diese werden jedoch im herrschenden Geschäftsmodell von vertragsgebundenen Händlern häufig benötigt, um das wenig einträgliche Neufahrzeuggeschäft auszugleichen. Damit geraten bestehende Geschäftsmodelle ins Wanken.

Die unitcell GmbH empfiehlt daher jedem Autohaus, die Renditen von Garantie- und Kulanzarbeiten im Vergleich zu normalen Reparaturarbeiten sorgfältig zu analysieren, um die Gefahr, die sich durch die Hintertür nähert, abschätzen und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Thomas Brede
Leiter Kompetenzzentrum Automobilhandel
unitcell GmbH

© unitcell 2017     Leibnizstraße 60     10629 Berlin     Telefon: +49 30 536 72 100