Positionspapier Automobilhandel - Radikale Marktänderung im Aftersales

von Thomas Brede, Leiter Kompetenzzentrum Automobilhandel der unitcell GmbH, November 2015

Während die vorangegangenen unitcell Branchenbetrachtungen im Automobilhandel meist einen aktuellen Auslöser aus dem externen Umfeld der Branche hatten (Änderung der Gruppenfreistellungsverordnung in 2013, Auswirkungen im Anschluss an die Umweltprämie in 2011 etc.), vollzieht sich nun eine radikale Marktänderung im Aftersales. Diesen Anlass aufgreifend haben wir im Spätsommer eine Aktualisierung unseres seit 2006 regelmäßig erscheinenden Branchenpapiers vorgenommen.

Werkstattplattformen im Internet und der Online-Teilehandel treten aus dem Schattendasein heraus, das sie jahrelang führten: Die Zeiten der Internet-Pioniere sind jetzt auch im Aftersales vorbei. Große, marktverändernde Player mit hoher Branchen- und Onlinekompetenz revolutionieren den Aftersales Markt.

In den vergangenen Jahren deutete sich der Druck, den die Online-Plattformen auf das konventionelle Aftersales Geschäft auszuüben begannen, bereits an. Allerdings in Form eines – im Vergleich zu den 2000er Jahren – abgeschwächten Umsatzwachstums. Da die Statistiken jedoch immer noch Wachstumskurven (wenn auch in geringerer Form) zeigten, wurde dieser Druck praktisch „maskiert“.

Der zweite Teil der „Maskerade“, den viele Marktteilnehmer nicht zur Kenntnis nahmen, lag im Vergleich von Absatz- und Umsatzkurven. Anhand der Absatzkurven (Anzahl verkaufter Arbeitswerte bzw. Lohnstunden) waren Stagnation bzw. Rückgang in Vertragswerkstätten häufig zu beobachtende Phänomene. Allerdings konnten diese Mengeneinbußen durch Preiserhöhungen meist ausgeglichen bzw. überkompensiert werden.

Das Durchsetzen von Preiserhöhungen war jedoch im Wesentlichen nur möglich, da der Markt im Aftersales für Verbraucher deutlich intransparenter war als im hochtransparenten Fahrzeughandel. Damit dürfte mit dem Siegeszug der Online Plattformen nun jedoch endgültig Schluss sein: Im Teilehandel sind über die Online-Portale Preisunterschiede und vor allem auch Händlermargen unmittelbar vergleichbar, für Standardreparaturen gilt das gleiche. Und der Entwicklungsschritt, online auch komplexere Reparaturen vergleichbarer zu machen, dürfte für die Betreiber der Plattformen keine Frage mehr des „ob und wie“ sondern lediglich eine Frage des „wann“ sein.

Von daher stellen sich für vertragsgebundene Automobilhändler Fragen der Kundenbindung und Kundengewinnung komplett neu – die Antworten auf diese Fragen erfordern ein komplettes Umdenken, das zu einem Strategiewechsel in den bestehenden Geschäftsmodellen führen muss.

Die statistischen Grundlagen sowie unsere Ansichten und Handlungsalternativen werden in unserem aktuellen Positionspapier zum Automobilhandel dargestellt und diskutiert. Damit ist das unitcell Positionspapier Pflichtlektüre für jeden Autohandelsbetrieb und jeden Stakeholder der Handelsunternehmen.

Auszüge des Papiers sind hier zur kostenfreien Ansicht hinterlegt.

Thomas Brede

Leiter Kompetenzzentrum Automobilhandel

 

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