Solarkürzung EEG 2012 – Übersicht und Details der Änderungen im Vermittlungsausschuss

von Frank Lorenz, unitcell GmbH, Juli 2012

Übersicht und Kommentar zu den Details der im Vermittlungsausschuss erreichten Änderungen

Laut Beschluss des Bundestages vom 28.06.2012 wurden in den Verhandlungen u.a. folgende Änderungen erreicht:

1. (Wieder-)Einführung einer zusätzlichen Vergütungsklasse für PV-Dachanlagen mit 10 bis 40 kWp installierter Leistung, in welcher der eingespeiste PV-Strom bei Netzanschluss im April 2012 mit 18,5 ct/kWh vergütet wird.

  • Dies sichert nach unseren Modellrechnungen* die Amortisation der Investition innerhalb der Lebensdauer der Anlage selbst in Norddeutschland, sofern kein Fremdkapital eingesetzt wird.
  • Damit bleibt dieser Absatzmarkt für die deutsche Photovoltaik-Industrie erhalten.
  • Bezogen auf das Vergütungsentgelt konnte der Vermittlungsausschuss deutliche Verbesserungen für PV-Aufdach-Anlagen mit einer installierten Kapazität zwischen 10 und 40 kWp erreichen. Dennoch belasten die nun endgültig feststehenden Kürzungen der Vergütungsentgelte in Höhe von 5 bis zu 15 Prozentpunkten die Rentabilität der Investitionen in Photovoltaik-Anlagen stark. Dies wirkt sich bereits in 2012 negativ auf den Absatz von PV-Anlagen in Deutschland aus.

2. Beibehaltung der Größenbegrenzung für die Vergütung von PV-Strom
    aus sog. Freiflächenanlagen bis 10 MW, aber Absenkung des Radius,
    ab der die vergütungsseitige Zusammenfassung von Anlagen, die
    innerhalb von 2 Jahren in derselben Gemeinde gebaut wurden,
    erfolgt nun im Umkreis von 2 km anstelle von 4 km.

  • Dies stärkt unserer Meinung nach die Planungs- und Investitionssicherheit, insbesondere bei großen Freiflächenanlagen zwischen 1 MWp und 10 MWp installierter Kapazität.
  • Der erwartete Einbruch des Zubaus von mittelgroßen und großen Freiflächenanlagen soll dadurch abgemildert werden. Dies stärkt dieses für die deutsche Photovoltaik-Industrie wichtige Marktsegment.

 

3. Festschreibung des bundesweiten Gesamtausbauziels für PV-
    Anlagen von 52 GWp
installierter Kapazität. Bei Erreichen dieser
    Obergrenze erfolgt bei neuen Anlagen keine Vergütung durch das EEG
    mehr. Allerdings bleibt der Einspeisevorrang für neue PV-Anlagen auch
    darüber hinaus erhalten.

  • Die Verankerung des Gesamtausbauziels im EEG soll wohl allen Marktakteuren den Willen der Politik aufzeigen, die nun beschlossenen Förderbedingungen für wenigstens drei Jahre stabil zu halten. Vor dem Hintergrund der international und national starken Verunsicherung durch die „Hau-Ruck“-Aktion ist dies nach unserer Auffassung ein wichtiger Schritt für die Wiederherstellung des Vertrauens und erhöht die Planungs- und Investitionssicherheit für potentielle Investoren.
  • Es bleibt abzuwarten, ob diese Regelung im Zusammenspiel mit der nun monatlich wirkenden Anpassung der EEG-Vergütung für PV-Strom („atmender Deckel“) mittelfristig zu einem kontinuierlichen Ausbau der Photovoltaik-Kapazitäten in Deutschland führt. Dies würde den deutschen Unternehmen der Photovoltaik-Branche mehr Zeit geben, sich weiter an den globalen Wettbewerb im Photovoltaik-Markt anzupassen.

 

4. Der jährliche Ausbaukorridor von 2.500 bis 3.500 MWp wird bis zur
    Erreichung des Ausbauziels von 52 GWp nicht abgesenkt.

  • Mit sinkendem Zubaukorridor wäre laut Beschluss im März die Vergütung gemäß dem atmenden Deckel ab 2014/2015 zusätzlich gesunken. Dieser zusätzliche Druck auf die Renditen von PV-Projekten wurde im Vermittlungsausschuss gekippt.
  • Für die deutsche Photovoltaik-Industrie ergibt sich damit im Vergleich zur Beschlusslage im März ab 2014 ein etwas geringerer Margendruck.

5. Das Marktintegrationsmodell findet für PV-Anlagen bis 10 kWp
    keine Anwendung.
Es gilt jetzt nur noch für sog. Aufdach-Anlagen ab
    10 kWp und bis einschließlich 1 MWp, die ab dem 1. April 2012 in
    Betrieb genommenen wurden bzw. werden. Das Marktintegrationsmodell
    begrenzt die vergütungsfähige Strommenge für diese Anlagen allerdings
    erst ab dem 1. Januar 2014 auf 90% der insgesamt erzeugten
    Jahresstrommenge.

  • Diese Änderung wird, wie auch das gesamte Marktintegrationsmodell, nach unserem Ermessen kaum Auswirkungen auf die Marktsegmente der kleinen Aufdachanlagen (Eigenheime/Miethäuser und Gewerbe/ Kleinindustrie) haben. Grund ist einerseits, dass solche Aufdach-Anlagen in der Regel einen Stromverbraucher bzw. –nachfrager „unter dem Dach“ haben und somit ohnehin von mindestens 10% Eigenverbrauchspotential ausgegangen werden kann. Andererseits kann sich nach unseren Modellrechnungen die Investition in eine so kleine Aufdach-Anlage bei den beschlossenen Kürzungen zumindest im nördlichen Teil Deutschlands nur mit einem hohen Eigenverbrauch amortisieren. Dies resultiert vor allem aus der Differenz von mittlerweile ca. 6,0 €Cent je kWh (Privat) bzw. 2,0 €Cent je kWh (Kleingewerbe) zwischen Endkundenstrompreis und EEG-Vergütungssatz – Tendenz steigend.
  • Allerdings verringert sich durch das Marktintegrationsmodell in vielen Fällen die Rendite von Investitionen in mittlere und große Aufdachanlagen mit einer Kapazität ab 250/500 kWp bis 1 MWp, da bei diesen Anlagengrößen häufig nicht genügend Strom selbst verbraucht werden kann. Hinzu kommt, dass Gewerbe- und Industriebetriebe gegenüber Privathaushalten einen deutlich geringeren Strompreis von 10 bis 15 €Cent/kWh zahlen. Somit entsteht aus dem „eingesparten“ externen Strom keine zusätzliche Rendite.

    Unsere Modellrechnungen zeigen, dass dennoch zumindest bis Januar 2013 für große Aufdachanlagen im Durchschnitt eine Rendite um ca. vier Prozent erreichbar bleibt. Daher ist abzuwarten, wie stark das Marktsegment der mittelgroßen und großen Aufdachanlagen (Gewerbe, Industrie) tatsächlich von der Kürzung betroffen sein wird.

6. Ermächtigung der Bundesregierung, mit Zustimmung von Bundesrat
    und Bundestag per Verordnung einen Vergütungssatz für PV-
    Anlagen auf Konversionsflächen
mit einer installierten Leistung von
    mehr als 10 MWp einzuführen.

  • Damit hält sich die Bundesregierung eine Hintertür offen, falls der Ausbau der PV-Kapazitäten ohne die Zuwächse bei Großanlagen mit einer Kapazität über 10 MWp zu stark ins Stocken gerät. Nach Auffassung vieler Beobachter ist dies jedoch kaum zu erwarten. Ob die Regierung von der Verordnungsermächtigung Gebrauch macht, wird letztendlich davon abhängen, wie stark die Lobby der Photovoltaik-Industrie auf die Politik einwirken kann.


Hier können Sie sich den vollständigen Artikel als PDF-Version herunterladen.

<media 532 _blank pdf>unitcell Artikel: Kommentar zu den Änderungen im Vermittlungsausschuss.</media>


Für Rückfragen wenden Sie sich gerne an unseren Ansprechpartner und Autor des Artikels, Herrn Frank Lorenz.

Frank Lorenz, Business Analyst

Herr Lorenz ist Spezialist für die Analyse von Märkten und Branchen.

Neben der Erstellung komplexer Marktanalysen betreut er auch die Implementierung der aus den Analysen gewonnenen Erkenntnisse in die strategische und operative Unternehmensplanung.

lorenz@unitcell.de, +49 (0)30 53 67 21 018

 

 

Für Anfragen steht Ihnen Herr Markus Thiel zur Verfügung.

Markus Thiel, Geschäftsführer

thiel@unitcell.de, +49 (0)30 53 67 21 00

© unitcell 2017     Leibnizstraße 60     10629 Berlin     Telefon: +49 30 536 72 100